Lappland

von Yvonne Steplavage

Einleitung

Lappland

Lappland

Lappland ist ein Gebiet in Nordeuropa, das sich über die nördlichsten Teile der drei Länder Norwegen, Schweden und Finnland erstreckt. In Norwegen und Finnland beginnen sie jeweils am Polarkreis, in Schweden hingegen schon weiter südlich. Auch die russische Halbinsel Kola, die sich westlich von Finnland am nördlichen Rand des Weißen Meeres befindet, gehört dazu.

Das Wort „Lappland“ selbst stammt aus dem Finnischen und bezieht sich auf dessen Ureinwohner. Die Schweden übernahmen schließlich diesen Begriff für den nördlichsten Teil ihres Landes. Die finnische Region von Lappland wiederum heißt „Lappi“ und die norwegische „Finnmark“. Letzteres kommt von dem Wort „Finner“, das sich ebenfalls auf die Ureinwohner bezieht. Diese nennen sich selbst Sameh (Samen, Sami), da sie die Bezeichnung „Lappen“ als eine Beleidigung ansehen. Übersetzt bedeutet der Ausdruck nämlich „Ausgestoßene“. Ihr Land nennen sie auch nicht „Lappland“, sondern „Sápmi“ oder „Sameoednäm“. Da es für diese mehrere Bezeichnungen gibt, werde mich im Folgenden auf den Begriff „Sami“ festlegen.

In Norwegen zählen zu Lappland drei Bezirke, nämlich Finnmarken, Troms und Nordland, in Schweden die beiden Regionen Norrbotten und Västerbotten und in Finnland gibt es nur ein Gebiet, das Lappi genannt wird.

Auf den Lebensraum der Sami bezogen, hat das Land eine Fläche von 388.350 km², die Zahl der Einwohner beträgt in etwa 2,3 Mio. Allerdings sind davon nur ungefähr 70.000 Sami. Insgesamt kommen in Lappland auf einen Quadratkilometer zwei Einwohner. Die meisten von ihnen leben in Städten an der Küste. Außerhalb dieser Gemeinden findet man hingegen kaum einen Menschen.

Lappland selbst ist auf keiner Landkarte verzeichnet, da es sich um keinen eigenen Staat handelt. Bezeichnend für diese Region ist vor allem die vielfältige Landschaft, die sich in gigantische Nadelwälder, hohe Gebirge, Sumpfgebiete und endlose Steppenlandschaften unterteilt. Im folgenden Kapitel werde ich noch einmal ausführlich auf die unendlichen Weiten dieses Landes eingehen, dessen Natur in großen Teilen noch ursprünglich und vom Menschen unberührt ist.

Landschaft

Geographisch betrachtet beginnt Lappland im Südosten zunächst mit einer flachen, leicht hügeligen Taigalandschaft. Unter dem Begriff „Taiga“ versteht man einen Waldtyp, der sich in den nördlichen Breitengraden unserer Erde, in der kaltgemäßigten Klimazone, befindet. In den Gebieten, die noch weiter im Norden, d. h. in der Kalten Zone liegen, ist kein Wachstum von Wäldern mehr möglich.

Kennzeichnend für die Taiga sind vor allem dichte Nadelwälder, die es nur auf der nördlichen Erdhalbkugel gibt und sich wie ein Ring um den Erdball legen. Dieser befindet sich ungefähr zwischen dem 50. Breitengrad (nördlich) und dem Polarkreis. Die Baumarten der Taiga sind unter anderem die Sibirische Tanne, die Gemeine Fichte, die Sibirische und die Dahurische Lärche. Auch die Birke, die nicht zu den Nadelbäumen zählt, jedoch sehr widerstandfähig ist, findet man in diesen Breiten. In den südlicheren Landstrichen bzw. in den Regionen, die sich in der Nähe des Ozeans und somit des Golfstroms befinden, ist auch die Espe beheimatet.

Bewegt man sich schließlich mehr Richtung Westen, so weicht die Taigalandschaft immer größeren Bergketten. Diese Hochgebirge werden sowohl in Schweden als auch in Norwegen als Fjell bezeichnet. Charakteristisch für diese sind unzählige Hochebenen, die sich durch eine hügelige Landschaft auszeichnen. In deren Tiefen befinden sich häufig Seen. Auf den Hochebenen des Fjells sind unter anderem die kompakte Fjellbirke sowie etliche Kräuter, Gräser und Flechten zu Hause.

Fährt man schließlich weiter gen Norden, so lässt sich beobachten, dass sich die Landschaft wandelt und immer spärlicher und karger wird. Die Nadelbäume verschwinden nach und nach, bis man nur noch Zwergbirken, Bodenflechten, Moose und Sträucher findet. Diese Landschaftsform ist im Allgemeinen unter dem Begriff „Tundra“ bekannt. Seit der Eiszeit bleibt der Boden in diesen Gebieten ganzjährig ab ca. zwei Metern Tiefe gefroren. Dies führt dazu, dass das Schmelzwasser im Frühling nicht in die Erde abfließen kann. Eine Folge davon ist, dass der Boden in diesen Regionen nach und nach versumpft.

Kennzeichnend für die Tundra sind drei wesentliche Faktoren:

  1. Kurze, jedoch warme Sommer (ca. 3 Monate) und sehr kalte und lange Winter
  2. Eine extreme Trockenheit
  3. Ein Boden, der dauerhaft gefroren ist (Permafrost)

Letzterer Faktor ist die Ursache, dass Baumwurzeln nicht tief genug in die Erde eindringen können, daher haben die meisten Bäume in diesen Breitengraden keine Überlebenschance.

In der Tundra gibt ein sehr interessantes Phänomen, das ich kurz vorstellen möchte. Es handelt sich um runde Hügel, die von einem Ring aus Steinen umgeben sind. Dabei liegt die Vermutung nahe, dass diese von Menschenhand gefertigt wurden. Tatsächlich aber sind sie eine Laune der Natur. Durch das Gefrieren im Boden dehnt sich das Wasser aus, und es entstehen die runden Hügel. Die Steine, die sich in der Erde befinden, werden durch das Frieren und spätere Tauen nach und nach an die Oberfläche gedrückt. Sie rollen dann nach unten, bleiben dort liegen und sammeln sich. Auf diese Art entstehen die Ringe, die den Hügel umschließen.

Doch nicht nur die Landschaft Lapplands wird durch eine große Vielfalt ausgezeichnet, sondern ebenso dessen Tierwelt, auf die ich im folgenden Kapitel näher eingehen möchte.

Die Tierwelt Lapplands

Die Region zeichnet sich vor allem durch eine große Anzahl an Vogelarten aus, so zum Beispiel diverse Sing- und Greifvögel, aber auch Enten, Gänse, Schwäne, Schwalben und Schneehühner. Während der langen und kalten Winter bleiben jedoch viele von ihnen nicht in Lappland, sondern fliegen gen Süden. Vor allem Enten, Gänse, Schwäne und Singvögel kommen erst im Sommer wieder, wo sie dann ein reichhaltiges Angebot an Insekten und Beeren vorfinden.

An Insektenarten selbst gibt es in der Region relativ wenige. Zu diesen gehören unter anderem Hummeln, Schmetterlinge und auch Stechmücken. Ebenso findet man hier nur eine sehr geringe Anzahl an Amphibien- und Reptilienarten. Zu den dortigen Amphibien zählen beispielsweise Frösche und Kröten, ein typisches Beispiel für Reptilien ist in Lappland die Kreuzotter (Schlange, die auch giftig ist).

Die bekannteste Säugetierart ist in dieser Region das Rentier. Im Sommer sieht man vor allem in den Bergen große Herden, im Winter wiederum halten sie sich in den Wäldern auf. Über die Rentiere verfügen die Sami, denen die gesamten Herden auch gehören. Zu den in Lappland lebenden Säugetieren zählen unter anderem weiterhin der Lemming, der Polarfuchs, der Elch, der Schneehase, der Braunbär, seltener der Vielfraß, der Luchs und der Wolf. Nicht zu vergessen ist ebenfalls der Husky, der den Menschen vor allem in der Funktion als Schlittenhund dient. Gerade in der kalten Jahreszeit erfreuen sich die Hundeschlittentouren auch bei den Touristen immer größerer Beliebtheit.

Klima

Lappland unterteilt sich in drei Klimazonen, von kühl-gemäßigt an der norwegischen Küste bis hin zu arktischer Kälte in den Gebieten der Tundra und den Hochebenen des Fjells. Bei diesen drastischen Klimaunterschieden spielt vor allem der von Mexiko kommende Golfstrom eine entscheidende Rolle. Dieser sorgt dafür, dass die Küste Norwegens im Winter frei von Eis bleibt, während der nördliche Teil der Ostsee (Bottnischer Meerbusen) zufriert. Je weiter man sich weg vom Golfstrom  in Richtung Osten bewegt, desto kontinentaler wird das Klima. Dieses unterliegt großen Temperaturschwankungen, das heißt im Sommer kann es recht warm werden und im Winter dafür sehr kalt. Auch ist das Kontinentalklima trockener. Ursächlich sind hier unter anderem die abnehmende Wolkendichte und der damit verbundene geringere Niederschlag.

Lappland befindet sich in etwa auf denselben Breitengraden wie Mittelgrönland. Knapp über dem Polarkreis scheint die Sonne ohne Unterbrechung vom 21. bis  23. Juni, am Nordkap hingegen dauert der Polartag vom 17. Mai bis 26. Juli. Zu dieser Jahreszeit liegen die Temperaturen in Lappland im Durchschnitt zwischen +10° C und +15°C, es kam jedoch auch schon vor, dass das Thermometer auf +30°C kletterte. Der Herbst setzt in dieser Region sehr zeitig ein, in der Regel schon im August, und im Oktober kann es bereits schneien. Je weiter man nach Norden kommt, desto länger werden die Polarnächte. Dauert diese in der Nähe des Polarkreises nur vom 21. bis 24. Dezember, so lässt sich am Nordkap die Sonne vom 27. November bis 15. Januar gar nicht mehr blicken. Im Winter liegen in Lappland die Temperaturen zwischen -10°C und -15°C, durchaus kann es auch noch kälter werden.

Wirtschaft

Primär ernähren sich die Menschen in Lappland von der Forst- und Landwirtschaft sowie von der Viehzucht. Im Vergleich zu anderen Ländern gibt es hier nur sehr wenig Industrie. Allerdings bietet das Land eine große Anzahl an Bodenschätzen, mit denen auch Handel betrieben wird. Dazu gehören unter anderem Kupfer aus Norwegen, Eisenerz aus Schweden sowie Nickel und Edelsteine von der russischen Halbinsel Kola. Eine wichtige Rolle spielt in Lappland ebenfalls der Tourismus, da diese Region zu allen Jahreszeiten viel Sehenswertes bietet. Auch ist das Land dafür bekannt, dass dort der Weihnachtsmann zu Hause ist. Das finnische Dorf Rovaniemi am Polarkreis gilt als sein offizieller Wohnort.

Verkehr

Ein Verkehrsmittel in Schwedisch-Lappland ist die Erzbahn (Malmbanan). Diese startet in der Stadt Lulea, fährt dann weiter über Boden, Gällivare, Kiruna, Riksgränsen in Richtung norwegische Grenze. Als Touristenattraktion gilt weiterhin die schwedische Inlandsbahn (Inlandsbanan). Diese beginnt ihre Tour in dem Ort Gällivare und fährt dann ca. 1.300 Kilometer südwärts in die mittelschwedische Stadt Kristinehamn.

An der norwegischen Küste ist ein wichtiges Verkehrsmittel ebenfalls das Schiff. Erwähnenswert sind hier vor allem die Hurtigruten, eine Kombination aus Passagier- und Frachtschiff. Diese erfreuen sich vor allem bei Touristen aus aller Herren Länder immer größerer Beliebtheit. Die Hurtigrute stellt eine Verbindung zwischen dem Süden und dem Norden Norwegens dar. Sie startet in der Stadt Bergen und erreicht nach ca. sechs Tagen den Zielhafen von Kirkenes.

Für Reisende mit dem PKW erstrecken sich über Lappland insgesamt mehrere Europastraßen. Eine davon ist die 1.410 Kilometer lange Europastraße E8. Diese zieht sich von Nord nach Süd durch ganz Skandinavien. Ihr Beginn liegt im norwegischen Tromsø und ihren Abschluss findet sie in der Stadt Turku in Südwestfinnland. Die E10 stellt eine wichtige West-Ost-Verbindung dar. Sie beginnt in Norwegen und endet nach 880 Kilometern in der schwedischen Stadt Lulea. Die E12 erstreckt sich ebenfalls von West nach Ost. Sie verläuft durch Norwegen, Schweden und Finnland und ist insgesamt 910 Kilometer lang. Ihr Anfang liegt im norwegischen Mo i Rana und ihr Ende in der finnischen Hauptstadt Helsinki. In Nord-Süd-Richtung verläuft die E45. Diese beginnt im Nordwesten von Finnland (Karasuvanto), zieht sich durch das gesamte Schweden und endet in der sizilianischen Stadt Gela. Ihre Länge erreicht insgesamt stolze 4.920 Kilometer. Schließlich gibt es noch die E63. Diese verläuft durch einen großen Teil von Finnland, ebenfalls in Nord-Süd-Richtung, und zwar von Sodankylä nach Turku. Ihre Strecke beträgt 1.100 Kilometer.
 

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