Jan Mayen


Geographie & Klima

Die zu Norwegen gehörende Insel Jan Mayen befindet sich in der Grönlandsee im Nordatlantik rund 600 Kilometer nordöstlich von Island und 950 Kilometer westlich vom Mutterland. Mit 373 Quadratkilometern umfasst sie ungefähr eine Fläche wie die Stadt Köln. Die Küstenlänge der Insel beträgt 124,1 Kilometer, wobei die das Eiland 53,6 Kilometer lang und nur 2,5 bis 15,8 Kilometer breit ist.

Wie Island liegt Jan Mayen auf dem Mittelatlantischen Rücken und ist von aktiven Vulkanen geprägt. Wie ihr größerer Nachbar Island verdankt Jan Mayen ihre Existenz einem Hot Spot, also einem besonders heißen Punkt im Erdmantel, der verstärkt heißes Magma an die Erdoberfläche drückt. Das Alter der Insel wird auf etwa 700.000 Jahre geschätzt. Auf Jan Mayen befindet sich mit dem 2.277 Meter hohen Beerenberg auch der nördlichste über dem Meeresspiegel gelegene Vulkan der Welt, der das Landschaftsbild der Insel bestimmt. Der Beerenberg war zuletzt in den Jahren 1970, 1973 und 1985 aktiv, wobei die Eruptionen von 1970 die einzigen von längerer Dauer waren. Der Ausbruch begann am 18. September 1970 und hielt bis in den Januar 1971 an. Rund 0,5 Kubikkilometer Basalt wurden dabei aus einer sechs Kilometer langen Spalte gefördert. Nach 1971 fanden bisher nur kleinere Eruptionen statt, die teilweise nur wenige Stunden anhielten. Der erste vulkanische Tätigkeit auf Jan Mayen in historischer Zeit wird auf das Jahr 1616 datiert und seit 1732 wurden sechs Ausbrüche des Beerenberg registriert. Im Südwesten der Insel befindet sich noch eine Reihe von Aschekegeln und Lavadomen, die so genannte Sør-Jan-Gruppe. Diese Krater sind jedoch seit Ende der letzten Eiszeit erloschen.

Ungefähr ein Drittel von Jan Mayen oder 114,2 qkm sind von der Eiskappe des Beerenbergs unter Eis begraben. Weiter unten am Berg bildet diese 20 Talgletscher mit Längen von bis zu acht Kilometern und knapp 15 qkm Fläche.

Das Klima auf Jan Mayen ist arktisch, wobei die Temperaturen aufgrund von Einflüssen des Golfstromes für die Breitengrade relativ mild sind. Im Jahresdurchschnitt herrschen lediglich Temperaturen um den Gefrierpunkt, wobei der Februar mit durchschnittlich -5°C der kälteste, und der August mit durchschnittlich 6°C der wärmste Monat des Jahres ist. Wie in anderen Teilen der Arktis ist es auf Jan Mayen häufig sehr windig.
 

Tierwelt und Vegetation

Auf Jan Mayen leben einige Vogelarten, wie beispielsweise der Papageitaucher, der auch auf Island, den Färöer und an der norwegischen Küste zu finden ist. Säugetiere gibt es auf Jan Mayen nur wenige, um nicht besser zu sagen nur zwei bzw. drei - Arten. Lediglich Walrosse und Polarfüchse sind hier anzutreffen. Doch wie auf Island werden gelegentlich auch Eisbären von Grönland aus hierher getrieben. Die Jagdbedingungen für diese Tiere sind auf Jan Mayen allerdings sehr beschränkt. Im Winter umgibt gelegentlich Packeis die Insel. Ansonsten haben die Raubtiere hier kaum Überlebenschancen.

Entsprechend des arktischen Klimas ist die Vegetation äußerst spärlich und besteht lediglich aus einzelnen Flechten und Moosen.
 

Geschichte

Wann der erste Mensch Jan Mayen entdeckte, ist bis heute nicht gesichert zu belegen. Es ist möglich, dass bereits im 6. Jahrhundert der Irische Mönch Brendan die Insel erkundete. Dies ist jedoch stark umstritten. Nachweislich wurde die Insel im Jahre 1607 von dem Seefahrer Henry Hudson gesichtet. Er suchte auf seinen Fahrten durch die Arktis nach einem kürzeren Seeweg nach China und war auf der Suche nach der so genannten Nordostpassage vom Kurs abgekommen. Ihren Namen erhielt das kleine Eiland jedoch erst im Jahre 1614, als sie nach dem niederländischen Walfänger Jan Jacobs May van Schellinkhout benannt wurde. In den nachfolgenden Jahrzehnten erlebte Jan Mayen während der Blütezeit des Walfangs des 17. Jahrhunderts seine größte Bevölkerungsdichte. Bis zu 1.000 Menschen sollen in den Sommermonaten auf der Insel stationiert gewesen sein. Ab dem 18. Jahrhundert fiel Jan Mayen nur wenig Bedeutung zu. Das Land wurde allenfalls gelegentlich von Robbenjägern oder Walfängern besucht.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde die Insel quasi wiederentdeckt. Im Jahre 1861 kam ein schweizerisch-deutsches Expeditionsteam nach Jan Mayen und 1882/83 wurde errichteten österreichisch-ungarische Wissenschaftler eine Forschungsstation. 1921 wurde die erste meteorologische Station auf Jan Mayen in Betrieb genommen und wird seitdem fast ohne Unterbrechungen genutzt.

Unter die norwegische Krone kam Jan Mayen erst am 27. Februar 1930. Während des zweiten Weltkriegs wurde die Insel gelegentlich von deutschen Flugzeugen angegriffen, wobei zwei deutsche Flugzeuge abstürzten.

Heute unterhält Norwegen weiterhin die Wetter- und Forschungsstation auf Jan Mayen. In den 1960er Jahren wurde diese noch von bis zu 40 Wissenschaftlern betrieben. Inzwischen wurde die Crew jedoch aus Kostengründen auf 18 Personen reduziert. Ein Teil der Mitarbeiter ist auch für das Navigationssystem "Loran C" des norwegischen Militärs verantwortlich. Neben der Forschungsstation und einer 1.585 Meter langen Start- und Landepiste für Flugzeuge findet man ansonsten keine Anzeichen menschlicher Zivilisation auf Jan Mayen.
 

Tourismus

Vom Tourismus ist Jan Mayen so gut wie gar nicht erschlossen. Einige Reedereien organisieren jedoch Kreuzfahrten durch den Nordatlantik, auf denen u.a. Island, Spitzbergen und die Lofoten angesteuert werden. Auf Ihrem Weg von Island nach Spitzbergen passieren die modernen Kreuzfahrtschiffe häufig auch Jan Mayen. Allerdings ist aufgrund eines fehlenden Hafens und mangelnder Zeit ein Landgang auf diesen Reisen nicht eingeplant.
 

Eckdaten Jan Mayen

 

 

Lage:

71° 2' 47" N, 8° 13' 49" W

 

 

Fläche:

373 km²

 

 

Höchster Berg:

Beerenberg (2.277 m)

 

 

Wetterstation:

Olonkinbyen

 

 

Einwohner:

18 Mitarbeiter in einer Wetterstation

 

 

Land:

Norwegen

 

 


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